ICE-Vollanbindung schwer durchsetzbar

DB Netz AG stellt in einem Schreiben an Oberbürgermeister Walter Hoffmann ihre Untersuchungsergebnisse vor.

Aufgrund der Diskussionen und Überlegungen der Stadt Darmstadt hinsichtlich einer ICE-Voll - anbindung – also einer Trasse durch den Hauptbahnhof – hat die Deutsche Bahn Netz AG in einem Schreiben an Oberbürgermeister Walter Hoffmann vom 31. August noch einmal alle Aspekte einer Vollanbindung dargelegt. Walter Hoffmann hatte im März dieses Jahres die von ihm und der Stadtverordnetenversammlung favorisierte sogenannte Bypasslösung mit Anbindung an den Hauptbahnhof überraschend verlassen, nachdem bekannt wurde, dass diese Variante ca. 112 Millionen Euro verschlingen würde. Hoffmanns vieldiskutierte Alternative: der Bau eines Fernbahnhofes an der westlichen Rheinstraße nahe der Autobahn (wir berichteten). Die Bahn Netz AG sieht in ihrem Schreiben, das unserem Verlag vorliegt, bau- und betriebsbedingtes Konfliktpotential durch Lärm und Erschu?tterungen bei den Vollanbindungsvarianten III und IV sowohl in Gewerbegebieten als auch in Wohn-, Mischund Sondergebieten, die weit u?ber die Konsenstrasse hinausgehen.

Davon seien die Firmen Merck, Röhm, Döhler, Autohaus Wiest, die Kläranlage, die Gewerbebetriebe am Kavalleriesand und die Wohngebiete am Haardt ring und in der Heimstättensiedlung betroffen; bei Variante III würde zusätzlich noch der Ernst-Ludwig-Park belastet, so die Bahn Netz AG. Die zweijährige Diskussion um die Führung der Konsenstrasse im Darmstädter Stadtgebiet habe gezeigt, dass eine innerstädtische Neubaustrecke zu vielen Konflikten, Problemen und zu mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz fu?hrt. Der Anbindungsast der Konsenstrasse war nur eingleisig vorgesehen und würde lediglich von wenigen Zu?gen mit geringer Geschwindigkeit befahren. Bei den Vollanbindungsvarianten III und IV dagegen sind zwei Gleise mit 250 km/h sowie ohne Halt durchfahrende ICE und Gu?terzu?ge zugrunde zu legen. „Die Belastungen fu?r die Bevölkerung der Stadt Darmstadt und somit die zu erwartenden Proteste wären gegenu?ber der Konsenstrasse ungleich höher“, befürchtet Oliver Kraft vom Vorstand der Bahn Netz AG in seinem Schreiben an den OB. „Die Erfolgsaussichten fu?r ein Planfeststellungsverfahren mit einer Vollanbindung Darmstadts schätzen wir als nur sehr schwer durchsetzbar ein“, so Kraft weiter. Da zusätzliche oder verlängerte Tunnel in Darmstadt bei einer Vollanbindung aus Schallschutzund städtebaulichen Gru?nden aufgrund der hohen Mehrkosten vom Bund nicht finanziert würden, mu?sste die Stadt Darmstadt diese Kosten alleine tragen. Und aufgrund dieser Randbedingungen wäre aus Bahn-Sicht eine Trassenfu?hrung entsprechend der Varianten III und IV gegenu?ber der Bevölkerung von Darmstadt nicht zu vertreten, so die Bahn in ihrem Schreiben an Walter Hoffmann abschließend.

(„Bessunger Neue Nachrichten“ vom 09. Oktober 2009)