,,Ich könnte allen ein Superzeugnis ausstellen"

Perspektive 50 plus: Bei Rot-Weiß haben vier Langzeitarbeitslose einen Job gefunden

Arbeiten bedeutet nicht nur, Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch, am Leben teilzunehmen. Mit seinem Programm ,,Perspektive 50 plus" will das Bundesarbeitsministerium seit 2006 die Beschäftigungschancen älterer Langzeitarbeitsloser verbessern. Die Arge Darmstadt hat im Rahmen dieses Projekts vier Arbeitnehmer an den Sportverein Rot-Weiß vermittelt. In Hessen sind neben Darmstadt noch die Städte Frankfurt, Kassel, Offenbach sowie 16 der 21 Kreise an dem Programm beteiligt.
,,Ich könnte allen ein Super-Zeugnis ausstellen", lobt Vereinsvorsitzender Harry Distelmann die vier Mitarbeiter. Ein ehemaliger Drucker habe beispielsweise beim Verein seine Liebe für Gartenarbeit entdeckt und springe auch in anderen Bereichen ein. Der Drucker hatte vor vier Jahren als Ein-Euro-Jobber beim Verein angefangen, jetzt hat er einen Arbeitsplatz.

Die neuen Stellen waren bei der SKV Rot-Weiß zuvor 400-Euro-Jobs, die Gehälter werden von der Arge Darmstadt mit 75 Prozent bezuschusst. ,,Wir könnten vielleicht die Hälfte bezahlen", sagt Distelmann, aber oft seien die Arbeiten für einen Gelegenheitsjob auch zu umfangreich. Paragraf 16 im Sozialgesetzbuch II erlaubt einen solchen Beschäftigungszuschuss zur Eingliederung von Erwerbsfähigen mit Vermittlungshemmnissen. Bei Rot-Weiß habe eine Mitarbeiterin beispielsweise einen Bandscheibenvorfall und könne daher nicht alles machen, schildert Distelmann.
Eine der neuen Mitarbeiterinnen arbeitet als Reinigungskraft. ,,Wir haben einen Gymnastikraum, eine ganze Menge Duschen und Umkleidekabinen", beschreibt der Vereinsvorsitzende die umfangreichen Anlagen im Vereinsheim. Frühere Putzfrauen seien etwa zehn bis zwölf Stunden in der Woche gekommen, aber bei einer 400-Euro-Kraft reiche die für die Arbeiten notwendige Zeit nicht, sagt Distelmann. Die angestellte Mitarbeiterin habe eine 36-Stunden-Woche.
Ein weiterer Mitarbeiter ist Platzwart bei den Tennisanlagen. ,,Wir haben mittlerweile sieben Tennisplätze", sagt Distelmann. Der Mann bediene auch die schweren Reinigungsmaschinen. Eine Platzwartstelle einzurichten, könne er nur empfehlen. ,,Wir wollen eventuell jemanden im Büro anstellen", kündigt der Vorsitzende an, der viel Büroarbeit erledigen muss. Das müsse aber erst durchkalkuliert werden.

(Quelle: Darmstädter Echo vom 14.01.2010)