38,5 Millionen jährlich für Kinderbetreuung

Krippenplätze: Stadt hat Angebote für Unter-Dreijährige nahezu verdoppelt - Bis Jahresende eröffnen weitere Einrichtungen

Es war vielfach von Anstrengungen die Rede, als der Familiendezernent, Bürgermeister Wolfgang Glenz, am Donnerstag eine Zwischenbilanz zum Ausbau der Kinderbetreuung in Darmstadt zog. Kindergartenkinder (drei bis sechs Jahre) haben schon länger einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Einrichtung. Für Krippenkinder (unter drei Jahre) kommt der Rechtsanspruch 2013.
Die Fakten: Zwischen 2006 und 2009 stieg das Betreuungsvolumen im städtischen Haushalt von sechs auf neun Prozent. Rund 38,5 Millionen Euro gibt die Stadt dafür jährlich aus. Inzwischen werden 713 Unter-Dreijährige in Darmstadt betreut - in Kinderkrippen und von Tageseltern. 2006 waren es 389, gut die Hälfte.

Rund 300 der 713 Plätze werden von 96 Tagesmüttern und -vätern angeboten. Sie sind dank einer Satzungsänderung der Stadt seit vergangenem Sommer der institutionellen Betreuung gleichgestellt: Die Eltern zahlen abhängig von den Betreuungszeiten einen monatlichen Betrag an die Stadt, die ihrerseits die Tageseltern entlohnt. Der Betrag wird wie bei Kindergarten- oder Krippenbeiträgen auch, sozial gestaffelt. Wer es sich gar nicht leisten kann, hat die Möglichkeit, befreit zu werden. Dadurch stiegen die Ausgaben in der Tagespflege von 165.000 Euro im Jahr 2008 auf 500.000 Euro fürs laufende Jahr.
Durch die Gleichstellung mit den Einrichtungen sei es für Tageseltern ,,attraktiv" geworden, Betreuungsplätze anzubieten, sagt Glenz. Nicht nur wegen der Vergütung, die zuvor Verhandlungssache zwischen Eltern und Betreuerin war. Sondern auch, weil die Stadt potenzielle Tageseltern umfangreich qualifiziert, bevor sie eine Pflegeerlaubnis erteilt. 160 Unterrichtsstunden mit einer abschließenden Prüfung sind dafür zu absolvieren, erläutert die Leiterin der Abteilung Kinderbetreuung, Anne Stein. Dies gehe in Richtung berufliche Qualifizierung und stelle auch sicher, dass die Leute nach dieser zeitlichen Investition nicht kurzfristig absprängen.
Das Kleinkinderbetreuungsgesetz sehe vor, dass Kommunen etwa Zweidrittel Krippenplätze bereitstellen und das restliche Drittel über die private Schiene abgedeckt wird, sagt Anne Stein. In Darmstadt betrage dieses Verhältnis drei Viertel zu einem Viertel, um die Infrastruktur dauerhaft zu sichern.
Noch in diesem Jahr werden weitere Kinderkrippen eröffnet werden, kündigt Familiendezernent Glenz an: Eine an der Lichtenbergschule und eine an der TU-Lichtwiese. Erweiterungen mit Geld aus dem Konjunkturprogramm sollen die Kitas der Paul-Gerhard- und Petrusgemeinde erhalten sowie die Kita Asternweg. Anfang 2011 werden auf dem Grundstück des abgerissenen Hallenbades 40 Plätze in vier Gruppen angeboten - das erste Betreuungsangebot für Unter-Dreijährige in Eberstadt-Süd. Die Krippe wird von der AWO betrieben werden. Ebenfalls Anfang 2001 soll im Mehrgenerationenhaus in der Waldkolonie Platz für Kindergarten- und Krippenkinder sein. Das Geld dafür kommt ebenfalls aus dem Konjunkturprogramm. In Planung ist eine weitere Krippe in der Heimstättensiedlung auf dem ehemaligen Gelände des Skiclubs Darmstadt/Odenwald. Hier wird der ASB die Trägerschaft übernehmen.
Damit will Glenz an die 35 Prozent Abdeckung kommen, die der Bund im Durchschnitt als Abdeckungsgrad für ausreichend hält. Für Großstädte wie Darmstadt ist das allerdings nicht genug, räumte er ein. Bei den Kindergartenkinder beträgt der Versorgungsgrad derzeit 95 Prozent und soll bis Ende 2010 auf 98 Prozent steigen.
Ende 2008 - neuere Zahlen gibt es noch nicht - lebten in Darmstadt 4225 Kinder unter drei Jahren, 3835 Drei- bis Sechsjährige und 4980 Sechs- bis Zehnjährige. Ende 2009 hatten 4300 Drei- bis Sechsjährige einen Kindergartenplatz und 1800 Grundschüler einen Platz in Betreuender Grundschule oder Hort.

(Quelle: Darmstädter Echo vom 11.03.2010)