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ICE-Anbindung: Regionalversammlung Südhessen spricht sich einmütig für Darmstädter Hauptbahnhof aus - Spott über OB Hoffmann.
Mit seinen Vorstellungen für die Anbindung Darmstadts an das ICE-Netz der Bahn ist Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) nicht nur in Darmstadt, sondern in ganz Südhessen isoliert. Am Freitagnachmittag verlangte die Regionalversammlung Südhessen - Trägerin der Regionalplanung im südlichen Rhein-Main-Gebiet - bei ihrer Sitzung in Frankfurt einmütig eine Führung der geplanten Neubaustrecke Mannheim-Frankfurt über den Darmstädter Hauptbahnhof. In einer mit großem Beifall bedachten Rede verspottete der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes (CDU) den von Hoffmann favorisierten Fernbahnhof nahe der Siedlung Tann als ,,Mondbahnhof", der den Bedürfnissen der Region nicht gerecht werde.
Vor den 99 Mitgliedern der Regionalversammlung hatte Wilkes die geplante Trasse als ,,Lückenschluss im europäischen Fernverkehrsnetz" begrüßt. Die Region brauche eine Zustiegsmöglichkeit zum ICE-Netz. Alle gewählten Kommunalvertreter seien sich zunächst einig gewesen, dass dies nur der Hauptbahnhof sein könne - ,,auch ein Bundestagsabgeordneter namens Hoffmann, heute Oberbürgermeister". Der Darmstädter Hauptbahnhof, warb der Landrat, sei der zweitwichtigste Bahnhof in Hessen. Dort liefen fünf Zubringerlinien zusammen - aus Heidelberg, Frankfurt, Aschaffenburg, Wiesbaden und dem Odenwald. ,,Eine ICE-Anbindung macht nur Sinn bei unmittelbarer Verzahnung mit dem Regionalverkehr im Hauptbahnhof, sonst werden die Reisenden diesen nicht mehr wählen. Eine Umsteigezeit von mindestens 20 Minuten zum Fernbahnhof wäre so unattraktiv, dass sie direkt mit dem Auto dorthin kommen würden." Wilkes wies darauf hin, dass der Fernbahnhof nach Angaben der Bahn 100 Millionen Euro kosten würde. Ein so teures Bauwerk für zwei haltende Züge pro Stunde - die die Bahn nur unter Vorbehalt zugesagt habe - sei ohne Beispiel. Hoffmann selbst gehört der Regionalversammlung nicht an. In einer Sitzung des ICE-Projektbeirats im Februar, deren Protokoll bei der Sitzung zur Kenntnis genommen wurde, hatte er sich für eine ,,gemeinsam tragfähige Lösung" mit der Bahn ausgesprochen. Ein Fernbahnhof West sei ,,kein Darmstädter Bahnhof, sondern ein Bahnhof der Region". Darmstadt brauche diesen Bahnhof für den Fernverkehr sowie eine Nordanbindung zum Frankfurter Flughafen. Dafür müssten jedoch zunächst die Betriebskosten kalkulierbar sein. Hoffmann hatte auch darauf hingewiesen, dass das Stadtparlament eine Vollanbindung des Hauptbahnhofs verlange. Ein Vertreter der Bahn bezeichnete die Vollanbindung als verkehrlich nicht sinnvoll und rechtlich problematisch. Der Antrag von CDU und FDP in der Regionalversammlung enthielt neben der Hauptbahnhof-Anbindung auch ein Votum gegen die Variante ,,Mannheim direkt", die eine Trasse von Lorsch schnurgerade zum Mannheimer Hauptbahnhof vorsieht. Für den Antrag stimmten die Vertreter aller Parteien und Kommunen. Ausnahme war der Abgeordnete der Darmstädter Wählergruppen Uwiga und Uffbasse, Erich Bauer, der sich enthielt. Er hatte einen Änderungsantrag eingebracht mit dem Ziel, sowohl die Hauptbahnhof-Anbindung als auch den Fernbahnhof aufzugeben und eine ,,Nordanbindung" Darmstadts über den Flughafen bis Wiesbaden anzustreben. Bauer fand jedoch keine Zustimmung.
(Quelle:Darmstädter Echo vom 08.05.2010)
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