| Die Siedler feiern im Festzelt und auf der Straße |
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Sie stürmen das Festzelt in blauen Shirts und mit weißen Schlumpfmützen zu schallender Musik. Die zahlreichen Kerbe-Mädscher und -Borsch machen Stimmung im Friedrich-Ebert-Schulhof am Heimstättenweg. Alles klatscht und trampelt. »Die Siedlung lebt - feiern verbindet« prangt auf dem Poster über sämtlichen Köpfen. Blumensträuße und Biergläser zieren die Tische im vollbesetzten Zelt, in dem der seit zehn Jahren amtierende Kerbevadder Ernst Lach als Würdigung seines Engagements eine Reise für sich nebst Gattin Helga geschenkt bekommt. Die Siedler erkennen das mit tobendem Applaus an und Ernst Lach entgegnet, dass sein Job »mit dieser Truppe ein reines Vergnügen ist«. Da die Liste der anwesenden Kommunalprominenz vom Kerbe-Schirmherr und Sozialdezernenten Jochen Partsch (Grüne) über Karin Wolff und Brigitte Zypries bis hin zu Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) ziemlich lang ist, bringt Hans-Jürgen Luft, Vorsitzender des Bürger- und Kerbevereins, eine ganze Weile damit zu, sämtliche Namen zu erwähnen. Doch das tut der guten Stimmung keinen Abbruch, da der letzte Satz lautet: »Hauptsache ist, dass wir eine schöne Kerb zusammen feiern.« Der Auftakt ist gelungen, die Fete läuft: Die Trachtenkapelle Hesslar schmettert Gute-Laune-Musik in die Luft und das Publikum kreischt vor Freude. Auch draußen ist die Stimmung prächtig: Unbeobachtet tummelt sich der Nachwuchs zwischen Schützenhaus, Losbude, Karussell und Süßigkeiten, die Erwachsenen laben sich an Essen und Gesprächen. Beim Tischtennisclub gibt's Ei- oder Schnitzelbrötchen, beim Polizei- und Schutzhundeverein leckere »Chili in der Maisschale«. Andere probieren beim Deutschen Nationalitäten Verein Gyönk leckere Lángos oder naschen die typisch türkische Süßspeise Baklava von Uschi. »Die Kerb ist für mich ein Muss«, sagt die 27 Jahre alte Sabrina. »Ich bin in der Siedlung aufgewachsen. Für mich gibt es nichts Schöneres, als hier zu wohnen.« Sie kenne viele aus ihrer Kindergartenzeit, mit denen sie immer noch guten Kontakt hat. Während der markigen Rede vom Kerbevadder Lach kriegen dennoch viele ihr Fett weg, wenn die Rede von einer Shisha-Abteilung der SK Eiche oder vom Schwellen-Dieter ist. Auch der »neue Klotz auf der Mathildenhöhe« findet Erwähnung, der den Redner an die Kaaba in Mekka erinnert. Gratuliert wird hingegen den erfolgreichen heimischen Fußballern, die nun in der höchsten hessischen Liga mitkicken. Sonntag sind dann alle Straßen von Menschen gesäumt: Kinder strömen mit Plastikbeuteln herbei, ihre Eltern im Schlepptau. In den Häusern warten die Familien auf dem Fenstersims sitzend auf den Umzug. »Das zieht sich immer in die Länge«, meint jemand am Straubplatz, wo auch Hilde und Helga schon ein ganzes Weilchen stehen. »Weil wir unsere Nachbarn lieben, kommen wir her«, erklärt Hilde ihre Anwesenheit. Am Kaiserschlag ist fast jedes Gatter mit Girlanden und Luftballons geschmückt. Manches Anwesen ist gar zum Biergarten mit Grillstation mutiert. Die Stimmung ist ausgelassen, von irgendwoher kommt brasilianische Musik. Am Geschwister-Scholl-Weg sitzt Familie Speckhardt mit Oma Gerda Basel auf dem Trottoir und prostet sich mit Sekt zu. »Die Heimstättensiedlung steht an der Kerb immer Kopf«, meint Tanja, dann kommt auch schon die Polizei. Hans-Jürgen Luft geht zu Fuß, dahinter Jochen Partsch und der Kerbevadder. Jetzt geht's Schlag auf Schlag: Äpfel kommen von den Grünen, von den Lappings gibt's Karotten. Es ziehen kleine Köpfe aus den Kitas neben Kreppblumen an den Leuten vorbei und die legendäre rosa Watz vom Martinsviertel. Die Oarhelljer und die Nieder-Beerbacher machen ihre Aufwartung, Bier n wird verteilt. Melancholische Klänge zaubern die Guggenmusiker aus Heidelberg in die Straße, der vierzigköpfige Musikzug Darmstadt sorgt für typische Kerberhythmen. Junge und alte Doggen laufen hinter dem weißen Buick und dem dunklen Oldsmobile hinterher. Laut und lustig geht es zu, und überall fliegen Bonbons, Popcorn, Chips und Gummibärchen. (Quelle: Darmstädter Echo vom 06.09.2010)
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