| Wir Gefühl fürs Wohngebiet |
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Stadtentwicklung: Beim ersten Bürgerforum der Schader-Stiftung wird klar: Beteiligung und Ortszentrum sind wesentlich. Ein neuer Stadtteil soll in einigen Jahren dort entstehen, wo die US-Armee bis 2008 Kasernen und Siedlungen unterhielt. Mehr als 5000 Menschen werden südlich von Bessungen einmal wohnen. Das neue Stadtquartier soll kein Wohngebiet aus der Retorte sein. Wie kann es gelingen, das neue Viertel in die Gesamtstadt zu integrieren? Wie kann es eine Identität erlangen? Diesen Fragen ging am Donnerstagabend das erste Bürgerforum der Schader-Stiftung zur Umwandlung der Militärflächen nach. Das Ergebnis: Damit sich Bürger integrieren und mit dem Stadtteil identifizieren können, müssen sie an der Entwicklung beteiligt werden. Wichtig ist zudem ein Ortszentrum als Kommunikationspunkt. „Urbane Leute, kreative Stadtplaner und öffentliche Räume“ sind nach Auffassung von Frank Eckhardt von der Bauhaus-Universität in Weimar nötig, damit eine Stadt überhaupt eine Identität entwickeln kann. Übersetzt auf die Entwicklung des neuen Stadtteils bedeutet das für die Forumsteilnehmer sowie für Oberbürgermeister Jochen Partsch in erster Linie Bürgerbeteiligung: „Sie ist eine tolle Identifikationsfindung.“ Nach den Versprechungen im Wahlkampf erwarten die Bürger von der grün-schwarzen Stadtregierung, dass sie an dem Entwicklungsprozess beteiligt werden. Das wurde während der Diskussion in der Schader-Stiftung deutlich. „Man identifiziert sich dann, wenn man etwas bewegen kann“, erklärte Birgit Diesing aus Kranichstein. Der nördliche Stadtteil kann wie die Heimstättensiedlung als Lernobjekt für die Entwicklung der alten Militärflächen dienen. Auch dort entstanden vor Jahrzehnten neue Stadtviertel. Erfahrungen dort lebender Bürger decken sich mit den Forderungen von Frank Eckhardt. Alexandra Jordan, die in Kranichstein im Schulelternbeirat aktiv ist und Unterschriften gegen kürzere Öffnungszeiten der Stadtteilbibliothek gesammelt hat, ist überzeugt, dass die Beteiligung an Entwicklungen wichtig für die Identifikation mit dem Umfeld ist und umgekehrt: „Ich engagiere mich, weil ich mich wohl fühle.“ Gleiches gilt für Hans-Jürgen Luft aus der Heimstättensiedlung. Er ist Vorsitzender des Bürger- und Kerbvereins und arbeitet beim Runden Tisch mit. Seine Erfahrung: „Die Stadt muss die Bürger mitnehmen, dann kann ein Wir-Gefühl entstehen.“ Dieses Gemeinschaftsgefühl scheint wichtiger zu sein als die Identität einer Stadt. „Welche Identität hat Darmstadt?“, wollte Moderator Joachim Fahrmann wissen. „Der Darmstädter knöddert gern“, lautete eine Antwort. Ansonsten taten sich die Forumsteilnehmer schwer mit einer Zuordnung. Auch die Bezeichnung „Wissenschaftsstadt“ trägt nach Meinung der Bürger wenig zur Identität der Stadt bei. „Das bringt dem Bürger nichts“, sagte ein Besucher. Eine Frau sieht jedoch in Darmstadt die Möglichkeit, einen direkteren Zugang zu Instituten zu bekommen. Für Wissenschaftler Eckard ist ein solches Etikett nicht fördernd: „Wie wollen Sie eine Wissenschaftsstadt leben?“ Mehr Praxisbezug haben indes die Lehren, die Jordan und Luft aus ihrer Stadtteilerfahrung für die Planung der Areale von Cambrai-Fritsch-Kaserne sowie Jefferson- und Lincoln-Siedlung an der Heidelberger Straße ziehen. „Es fehlt ein Ortszentrum“, sagte die Kranichsteinerin. Damit falle ein Kommunikationspunkt weg. Gleiches gilt für die Heimstättensiedlung. „Für das Zusammenleben ist ein Stadtteilzentrum wichtig“, erklärte Luft. Dort muss es Angebote für alle Generationen geben. Der Rahmenplan für die Konversionsflächen sieht solche Quartiersplätze vor. Offen ist jedoch, ob sie wirklich gebaut werden. Denn diese Flächen entfielen für die Wohnbebauung. Oberbürgermeister Partsch sagte jedoch zu, sich in den Verhandlungen mit der Eigentümerin der Flächen, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), dafür einzusetzen, dass die soziale Infrastruktur tatsächlich entstehen kann, auch wenn für die Bima der schnelle und gewinnbringende Verkauf im Vordergrund stehe. (Quelle: Darmstädter Echo vom 22.10.2011)
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