„Uff uns’rer Kerb iss immer was los“

Kerb 2009

Kaum Schlaf hatten die Kerbeburschen und Kerbemädchen vom 04.-07.09.gefunden. In diesen vier kurzen Tagen (und langen Nächten) fand nämlich die Kerb in der Heimstättensiedlung statt, die vom Bürger- und Kerbeverein Heimstättensiedlung e.V. (BKV) organisiert worden ist, und wie immer außerordentlich gut besucht wurde. Wieder einmal waren Verkaufsbuden auf dem Schulhofgelände der Friedrich-Ebert-Schule aufgestellt, wieder einmal gab es Musik von volkstümlich bis modern im Programm, und wieder einmal fand der traditionelle Kerbeumzug am Sonntag statt. Das mögen die Heimstättensiedler, denn das ist eine Kerb, wie sie sein soll. Aber das war nicht immer so. Bevor sich der BKV im Jahre 1994 gründete und es sich zur Hauptaufgabe machte, die Heimstättenkerb zu organisieren, feierten die einzelnen Vereine der Siedlung mehrere „kleine Kerben“ in den eigenen Vereinsstätten. Dieses „Nebeneinander“ wurde erfolgreich „in ein Fest für Alle“ umgewandelt. Seit 15 Jahren feiern nunmehr die Heimstättensiedler die alljährliche Kerb gemeinsam, und das unter dem treffenden Motto: „Die Siedlung lebt – feiern verbindet“. Dank der Arbeit aller BKVler um ihren Vorsitzenden Jürgen Luft ist die Heimstättenkerb gut organisiert und erfolgreich.

Doch bevor man sich ein echter Kerbebursche oder echtes Kerbemädchen schimpfen darf, muss man zunächst ein Jahr lang als „Fuchs“ bzw. als „Fähe“ sein Können und seine Loyalität unter Beweis stellen. Wie diese Bewährungsprobe vonstatten geht, erklärte Kerbebursche Timm Gros kurz und bündig: „Die machen die Drecksarbeit, die keiner machen möchte“. Die Aufgaben sind dann aber doch harmloser, als zunächst vermutet. So werden die Anwärter in diesem Jahr lediglich zum Aufräumen, Getränke holen oder einer Nachtwache verdonnert. Ansonsten dürfen sie, wie alle anderen Mitglieder auch, lautstark Trinklieder, Schlachtrufe oder spontane Gedanken ausrufen. Das hebt die Stimmung während der Kerbetage enorm. Wie auch in diesem Jahr! Am Freitag (04.), zum Kerbeauftakt, fing die Stimmung bereits gut an. Das Festzelt war bis auf den letzten Platz besetzt. Darunter zahlreiche Gäste aus der Politik, die natürlich kamen, um sich mutig der Kritik von Kerbevadder Ernst Lach zu stellen. Dieser kratzte in seiner Rede viele aktuelle Themen an. Darunter die Nordostumgehung, die ICEAnbindung oder die bevorstehende Bundestagswahl samt Dekolleté- und Dienstwagenaffäre. Einen Vorschlag machte er dem anwesenden Oberbürgermeister Walter Hoffmann zum Problemfall „Nordostumgehung“. So könnte eine hinreichende Verzögerung beim Bau der Umgehungsstraße das Problem von selbst lösen, da sich bald keiner mehr das Autofahren leisten könne. Ein besonderer Dorn im Auge waren dem Kerbevadder auch die falsch verteilten Millionensummen. Dementsprechend bekamen Bänker, Zumwinkel und Fußballer ihr Fett weg. Trotzdem verteilte Ernst Lach in seiner Rede nur wenig Schelte, denn bis auf einen Seitenhieb an Walter Hoffmann in Belangen ICE-Anbindung, kamen die Lokalpolitiker ansonsten glimpflich davon. Eine Entscheidung stand aber fest und bereitete zudem Begeisterung. So wurde Pater Jörg Eikelpasch zum „Ehrenkerbeburschen“ ernannt. Und das nicht zuletzt deshalb, weil er es laut Kerbevadder Lach schaffte, viele Protestanten wieder zum Kirchgang zu bewegen. Die Kerbeburschen und -mädchen freuten sich über das neue Mitglied und jubelten laut. Buhrufe gab es hingegen bei der Bekanntgabe, dass die ehemalige Schirmherrin, Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), nicht persönlich zur Übergabe des „Spatens“ (dem Symbol für die Heimstättensiedlung) an den diesjährigen Schirmherrn, Walter Hiller, Direktor bei der Software AG, erscheinen konnte. Brigitte Zypries war auf der Kerb in Ober-Ramstadt, was ihr die Heimstättensiedler ein wenig übel nahmen. Um ein „Ui, ui, ui, ui!“ kam die Politikerin deshalb nicht herum. Vertreten wurde Zypries an Ort und Stelle von der Stadtverordneten Katrin Kosub. Dann am Sonntag, auf dem Kerbeumzug, wusste Brigitte Zypries ihr „Fremdgehen“ aber wieder gutzumachen, indem sie langstielige rote Rosen an die Frauen der Heimstättensiedlung verteilte. Selbstverständlich hatten auch die Spitzenpolitiker der Grünen (Daniela Wagner und Jochen Partsch), der FDP (Leif Blum) und der CDU (Karin Wolff und Andreas Storm) reichlich Präsente für das (Wähler-)Volk mit dabei. Im Anschluss an den Marsch zog die Schar auf den Festplatz ein, wo – und wie sollte es anders sein – gemeinsam weiter gefeiert wurde. Schließlich sind auch die vier Tage „Ausnahmezustand“ in der Siedlung vorüber. Das Feiern hatte sich gelohnt, denn wieder einmal lief – um es mit Ernst Lach’s Worten zu beschließen: „Alles prima!“ Jetzt widmet sich der BKV seinen anderen Aufgaben. Denn wie jeder Siedler weiß, ist der Bürger- und Kerbeverein nicht nur im Feiern groß. Spenden und soziales Engagement sowie ein offenes Ohr für die Belange der Siedler, machen den BKV genauso gut aus – und deshalb zu einer standhaften Institution innerhalb der Heimstättensiedlung. Weitere Bilder der Heimstättenkerb finden Sie im Internet unter www.ralf-hellriegel-verlag.de

(„Bessunger Neue Nachrichten“ vom 11.09.2009)