| Die Geburt der Heimstättensiedlung |
Seite 1 von 2
Ortsgeschichte: Vor 75 Jahren legten Arbeitslose am heutigen Heimstättenweg den Grundstein des Stadtteils „Was ich davon weiß, weiß ich vom Opa“, sagt Hobbyhistoriker Hans Jürgen Luft, in der Heimstättensiedlung gut bekannt als Vorsitzender des Bürger- und Kerbevereins. Als Kind war ihm die Enge in den Siedlerhäusern wohlvertraut, damals spielte sich das Familienleben in der Küche ab. Durch An- und Umbauten und Verdichtung hat sich das Bild der Siedlung gewandelt. Die alten Klappläden sind verschwunden, und die Gärten, in denen in Lufts Kindertagen nachmittags sechs bis acht Kinder spielten, auf Vorgartenniveau geschrumpft. Jetzt dreht die Siedlung das Rad der Zeit um 75 Jahre zurück und erinnert an jene 100 unter 500 arbeitslosen Anwärtern ausgesuchten Männer, die im April 1932 mit dem Bau der ersten Eigenheime der „Erwerbslosensiedlung“ im Südwesten Darmstadt begannen. Bevorzugt wurden Bauhandwerker, Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Glaser, Schlosser und Bauhilfsarbeiter. Die Stadt Darmstadt stellte ihnen ein Gelände am Alten Eschollbrücker Weg (heute Heimstättenweg) und an den ehemaligen Pulverhäusern, einem alten Munitionsdepot, zur Verfügung. Es gehörte damals zur Gemarkung Bessungen. Jedem Siedler wurden gegen Erbpachtzins rund 1000 Quadratmeter Grundfläche überlassen. Am Doppelhaus Gollacker 45/47 wurde der erste Grundstein gelegt. 62 Pfennige, das gesamte Barvermögen des Arbeitstrupps, wurden darin eingemauert. Die Darmstädter Brauereivereinigung spendierte den Häuslebauern 100 Flaschen Bier, die Herdfabrik Röder stellte einen großen Kochkessel zur Verfügung. In den Siedlungshäusern wohnten im Durchschnitt sechs Personen. Sie hatten nur 56 Quadratmeter Wohnfläche – drei Zimmer, Küche, Keller – aber einen riesigen Garten. Dort konnten die Familien Obst, Gemüse und Kartoffeln für die Selbstversorgung ziehen, Hühner und Hasen halten. Der „Reichsverband Deutscher Kleinsiedler“ (heute: Siedlergemeinschaft Darmstadt-Süd“) schulte sie in Obstbaumpflege, Gemüseanbau und Kleintierhaltung.
|


